Was ist Anti-Bias

Das englische Wort „bias“ bedeutet übersetzt „Voreingenommenheit“ oder auch “Einseitigkeit“.
Anti-Bias zielt darauf ab, eine Schieflage, die aufgrund einseitiger Wahrnehmungen und Vorurteilen entstanden ist, ins Gleichgewicht zu bringen; uns für eigene und generelle Vorurteilsbildungen zu sensibilisieren und Diskriminierung abzubauen.
Der Ansatz geht davon aus, dass wir erlernte Vorurteile zwar nicht wieder verlernen, einen bewussten Umgang damit jedoch nutzen können, um Veränderungen herbeizuführen. Vorurteilsbewusste Arbeit zielt immer auf individuelle und institutionelle Veränderung und versucht einen Beitrag zu leisten, Vielfalt sichtbar zu machen und entstandene Konflikte zu lösen.
Anti-Bias-Projekte und -Seminare qualifizieren die Teilnehmenden für die Umsetzung eines vorurteilsbewussten Ansatzes (Anti-Bias-Approach) in ihrer alltäglichen Arbeit. Vom Ansatz können alle Berufsfelder profitieren, sei es in Kindertagesstätten, Schulen, der offenen Kinder- und Jugendarbeit, der Verwaltung, der Beratung etc..Fachkräfte werden inspiriert, ihre eigenen Haltungs- und Verhaltensmuster kritisch zu reflektieren.

Zur Unterscheidung

Während es in Konzepten interkulturellen Kompetenzerwerbs vor allem um den Umgang mit kulturellen und ethnischen Unterschieden geht, interessieren im Anti-Bias-Ansatz vor allem die gesellschaftlichen Bewertungen von Unterschieden nach Geschlecht, sozialem Status, sexueller Orientierung, Beeinträchtigung, Hautfarbe, Sprache etc. und die Auswirkung dieser Bewertungen auf das Leben von Menschen.
Der Anti-Bias-Ansatz geht davon aus, dass hiervon alle Menschen, jedoch auf unterschiedliche Weise betroffen sind. Ausgehend von eigenen Erfahrungen und den damit verbundenen Gefühlen und Reaktionen erfolgt eine Sensibilisierung für eigene Privilegien, Benachteiligungen, Vorurteile und für Machtverhältnisse in bestehenden Strukturen. Von den Gemeinsamkeiten her richtet sich der Blick auf Verschiedenheit und deren Auswirkungen.
Weitere Infos können Sie in dem Dokument
Entstehung und Entwicklung des Anti-Bias-Ansatzes herunterladen.

Besonderheiten

Diskriminierung wird emotional und kognitiv begreifbar
Alle Erscheinungsformen von Diskriminierung werden mit einbezogen
Anti-Bias setzt an den Diskriminierungserfahrungen von Individuen an und setzt sie in Verbindung zu strukturellen Ebenen von Diskriminierung
Unterschiede werden auf der Grundlage von Gemeinsamkeiten anerkannt

Grundannahmen

Jeder Mensch hat Vorurteile
Vorurteile werden schon imAlter von 2-3 Jahren erlernt
Menschen können einen bewussten Umgang mit Vorurteilen entwickeln und daraufhin ihre Verhaltensweisen verändern

Was wird bei einem Anti-Bias-Training gemacht?

Anti-Bias ist ein erfahrungsorientierter Ansatz, bei dem die Erlebnisse der Teilnehmenden aktiv mit einbezogen werden. Hierbei werden die Auswirkungen von Dominanz und Unterdrückung durch spezielle Übungen und gemeinsames Nachdenken auf emotionaler sowie kognitiver Ebene erfahrbar. Ergänzt durch die Vermittlung von Hintergrundwissen wird ein Verständnis für die gesellschaftliche Verankerung von Machtverhältnissen und die persönliche Verstrickung in Diskriminierungsstrukturen möglich. Wir gehen dabei Fragen nach, was unsere Vorstellungen von »fremd« und »eigen«, von »anders« und »normal«, von »wertvoll« und »abgewertet« mit gesellschaftlichen Ungleichheitsverhältnissen in Bezug auf Alter, Religion, Herkunft, Bildung, etc. zu tun haben.
Schritt für Schritt werden vorurteilsbewusste, machtsensible und diskriminierungskritische Betrachtungs- sowie Handlungsweisen entwickelt, die als Handwerkszeug zum aktiven Abbau von Schieflagen im eigenen Einflussbereich wie Beruf, Schule oder Familie genutzt werden können. Vorkenntnisse sind dazu nicht erforderlich.